Kunst aus der Dose - erfolgreiche Ausstellungseröffnung der Graffiti-Künstler Lennart Lamoller und Marius Altmann im Altdorfer Weiterbildungszentrum der TAW

Altdorf, 26. Juni 2015. "Für uns erfüllt sich heute Abend ein Traum und wir können noch gar nicht realisieren, was hier gerade geschieht" sagt Lennart Lamoller als er sich bei den knapp 60 Gästen bedankt, die anlässlich der  ersten Ausstellungseröffnung der Graffiti-Künstler Marius Altmann und Lennart Lamoller den Weg zur fränkischen Niederlassung der Technischen Akademie Wuppertal in der Fritz-Bauer-Straße fanden.

Graffiti-Schmetterling 
Aus allen Himmelsrichtungen reisten die Gäste am Freitagabend an. Viele Freunde des Künstlerduos SPRAYBAR kamen aus Regensburg, die stolzen Mütter der beiden Künstler reisten aus Stuttgart und Hamburg an, viele Kunstinteressierte aus der Nachbarschaft und dem benachbarten Umland nahmen die Gelegenheit wahr und folgten der Einladung.
"Einfach zauberhaft dieses Altdorf" schwärmten zwei  begeisterte Münchnerinnen, die die Zeit vor der Vernissage für einen kleinen Stadtrundgang durch Altdorf nutzten. "Alle sind hier so freundlich und diese malerischen Gässchen mit den Fachwerkhäusern - einfach traumhaft; so was haben wir nicht in München".
Erich Giese, Vorstand der Technischen Akademie, reiste für die Ausstellungseröffnung aus Wuppertal, dem TAW-Stammsitz an und ging in seiner Rede auf die Anfänge des Graffitis ein.  Die ersten Graffiti  entstanden im Alten Ägypten um etwa 2700 vor Christus und bestehen aus gekratzten Inschriften in Gräbern, Tempeln, Felsen und Statuen. Thematisch waren sie damals im religiösen Bereich angesiedelt und vermittelten Gebete, Segenswünsche und Götterverehrungen.
Als Götterverehrungen sind die faszinierenden Exponate der beiden Graffiti-Künstler Altmann und Lamoller nicht zu verstehen, vielmehr  als Hommage ans Leben, an die Natur.  Ein begeisterter Besucher der Ausstellung kann sich am Bild "Kind isst Mango" nicht satt sehen: "Beim Betrachten empfindet man den Hunger, die Gier und die Freude über den Genuss des Kindes nach. Krampfhaft hält das Kind die Mango in den kleinen Händen, bereit die Frucht mit seinem Leben zu verteidigen, beißt genüsslich in das saftige Fleisch, dass der Saft gerade so heruntertropft, die Augen in höchster Konzentration zusammengekniffen, verliert sich im Moment, gibt sich diesem vollkommen hin - wie nur Kinder es vermögen, wir Erwachsene haben diese Eigenschaft schon längst verlernt."
Immer wieder bilden sich Besuchertrauben um die beiden Künstler, die begeistert von den letzten Monaten ihrer Schaffensphase, in der knapp 50 Bilder entstanden sind, berichten. "Es war eine ganz neue Erfahrung und Herausforderung  für uns, nicht die Wünsche unserer Kunden zu 100% zu erfüllen, sondern total frei und kreativ bei der Wahl der Motive zu sein. So sind wir mit ganz neuen Techniken und Materialen in Berührung gekommen" erzählt Altmann euphorisch.  Auf die Frage eines Besuchers vor dem Bild "Schmetterling im Mohnfeld", wie man denn mit Spraydosen einem Schmetterling so viel Leben einhauchen kann, dass man meint, den Flügelschlag zu spüren, antwortet Altmann schmunzelnd "die feindurchbrochene Flügelstruktur ist mit Hilfe von zusammengeknüllten Obsttüten, die ich immer wieder mit Farbe getränkt und dann sorgfältig aufgetupft habe, entstanden."
Die beiden Künstler haben in ihren Bildern außerdem viel von ihrer Vergangenheit einfließen lassen und verarbeitet. Lamoller lebte jahrelang in Venezuela wo er auch seine Frau kennenlernte, Altmann wollte nach seinem Abitur Abstand zu allem Irdischen und verbrachte acht intensive Jahre als Mönch.
Das Projekt "Kunst trifft Bildung" ist eine klassische Win-Win-Situation", so Erich Giese in seiner Rede. "Wir geben jungen Künstlern die Gelegenheit ihre Werke bei uns zu präsentieren. Mit knapp 3.000 Teilnehmern  pro Jahr, sind die Bilder einem fast täglich wechselnden Publikum zugängig. Zum anderen schafft "Kunst in allen Räumen" eine angenehmen und abwechslungsreiche Atmosphäre für die Teilnehmer."
DJ Arok sorgte mit seinem Soul-Funk aus den 80er Jahren für eine entspannte Atmosphäre und nachdem sich die Besucher ausführlich mit den 50 verschiedenen Exponaten auseinandergesetzt hatten, fand man sich auf der Gartenterrasse ein. Der lauschige Abend war ideal für interessante Gespräche, um Kontakte zu knüpfen und neue Freundschaften zu schließen.
Am nächsten Morgen treffen wir die beiden Münchnerinnen wieder, die wie einige andere Gäste mit weiter Anreise im Hotel in der Akademie übernachtet haben.  Beide wollen vor Abreise unbedingt nochmal einen Abstecher in die bezaubernde Altdorfer Innenstand machen.


Graffiti-WorkshopUm 10.00 Uhr startete dann der kostenfreie Graffiti-Workshop mit 13 Teilnehmern und Marius Altmann. Es wurde skizziert, gesprayt  und die unterschiedlichsten Techniken angewandt. Nach drei kreativen Stunden konnte dann jeder seine selbstgestaltete Leinwand mit nach Hause nahmen und Marius Altmann schenkte jedem Teilnehmer noch ein handsigniertes Unikat. Groß ist das Interesse an einer Folgeveranstaltung  und man plant bereits jetzt einen Aufbauworkshop.
Die Ausstellung ist bis Ende Dezember 2016 Montag bis Freitag zwischen 17.30 und 20.00 bei der Technischen Akademie, Fritz-Bauer-Str. 13, 90518 Altdorf zu sehen. Weitere Informationen: Damaris Stiefel, Tel. (09187 / 931 -211).