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Neue gesetzliche Pflichten beim Gesundheitsschutz: Verstärkung der Prävention vor Psychischen Belastungen, Stress, Burn out

Dr. Jürgen vom Stein, Präsident des Landesarbeitsgerichts Köln, zum Thema Psychische Belastungen, Burn out und Stress am Arbeitsplatz.

TAW: Warum sieht der Gesetzgeber Handlungsbedarf ?

JvS: Aktuelle Statistiken haben den Gesetzgeber alarmiert: Die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen, Stress und Burn out sind in den letzten 15 Jahren um mehr als 80 Prozent gestiegen. 53 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen allein im Jahr 2011 in Deutschland. Die durchschnittliche Dauer psychisch bedingter Krankheitsfälle ist mit 39,2 Tagen fast dreifach so hoch wie bei anderen Erkrankungen (13,1 Tage). Produktionsausfallkosten steigen: Während sie 2008 noch bei rund 4 Milliarden Euro lagen, sind sie bis 2011 auf fast 6 Milliarden Euro gestiegen. Aus diesem Grund soll die Neuregelung - die die bisher schon geltende Verpflichtung hervorhebt - die Praxis sensibilisieren und Gegenmaßnahmen in den Unternehmen fördern.

TAW: Wer ist von den gesetzlichen Regelungen betroffen ?

JvS: Die Pflicht zu Präventionsmaßnahmen und zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung „psychische Belastungen" gilt für alle Unternehmen, auch für Kleinbetriebe.

TAW: Welche Maßnahmen muss ein Unternehmen ergreifen ?

JvS: Zunächst einmal muss das Unternehmen eine ordnungsgemäße Gefährdungsbeurteilung durchführen, die sich auf psychische Belastungen erstrecken muss. Hierfür will das Seminar praktische Hilfestellungen bieten. Außerdem sind alle Arbeitsabläufe so zu gestalten, dass die Faktoren für psychische Belastungen möglichst gering gehalten werden.

TAW: Wird die Durchführung überprüft ?


JvS: Ja, die zuständigen Behörden haben die Einhaltung der Pflichten aus dem Arbeitsschutzgesetz gemäß § 21 ArbSchG zu überprüfen. Hierzu können sie in den Betrieb kommen, Unterlagen einsehen und Prüfungen durchführen etc. (§ 22 ArbSchG).

TAW: Wie sehen Sie das Verhältnis von diesen speziellen Schutzmaßnahmen zum allgemeinen Gesundheitsschutz ?


JvS: Die Prävention vor psychischen Belastungen sollte Teil eines umfassenden Gesundheitsmanagements im Betrieb sein. Es ist durch Studien erwiesen, dass ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) viele Vorteile für das Unternehmen hat, neben messbaren Kosteneinsparungen auch Motivationssteigerung bei den Beschäftigten, die zu höherer Produktivität führt. Daher sollte jedes Unternehmen ein BGM einführen.

TAW: Wie weit ist das BGM in den Unternehmen schon angekommen ?


JvS: In den Großunternehmen ist ein leistungsfähiges BGM heute bereits Standard. Anders sieht es bei kleinen und mittleren Unternehmen aus. Hier fehlt es häufig oder ist nur in Ansätzen vorhanden. Dort sehe ich noch erhebliches Verbesserungspotential.

Verschaffen Sie sich in unseren Seminaren einen Überblick über die gesetzlichen Handlungspflichten und die aus betriebsärztlicher Sicht erforderlichen Maßnahmen, die im Unternehmen umgesetzt werden müssen. Einen Überblick über unser Seminarangebot zum betrieblichen Gesundheitsmanagement bietet unsere Akademie für Personalmanagement und Unternehmensentwicklung - kurz afpu.