Seminar

Grundlagen Form- und Lagetoleranzen nach dem GPS-Normensystem

Überblick

Form- und Lagetoleranzen garantieren die eindeutige Produkt­spezifikation sowohl für die Fertigung im eigenen Unternehmen als auch entlang der Wertschöpfungskette.

Vorschriften und Regeln des ISO-GPS-Normensystems setzen den Rahmen, um den Tolerierungs­grundsatz zu definieren, das Bezugssystem aufzubauen, sinnvolle Bezüge auszuwählen, Allgemein­toleranzen zu vergeben und Zeichnungs­symbole zu verwenden. So vereinfacht eine korrekte, funktionsgerechte Form- und Lagetolerierung den messtechnischen Nachweis ganz wesentlich und trägt entscheidend dazu bei, die Produktqualität zu sichern.

Gleichzeitig vermeidet ein stringentes Toleranzmanagement die weit verbreiteten „Angsttoleranzen“. Stattdessen ist es möglich, Bauteil­toleranzen so zu definieren, dass einerseits Passgenauigkeit und Funktions­erfüllung gewährleistet sind, andererseits aber auch die Kosten nicht unnötig steigen.

Eine erfolgreiche Umsetzung im Unter­nehmen gelingt aber nur dann, wenn alle involvierten Bereiche – von der Konstruktion über die Fertigung bis zum Qualitätswesen – die Prinzipien der Form- und Lagetolerierung anwenden bzw. interpretieren können.

Dieses Seminar vermittelt systematisch das Grundwissen zur Tolerierung, zur Fertigung und zur Messung nach den aktuellen ISO-GPS-Normen für Form- und Lagetoleranzen. Zahlreiche Anwendungsbeispiele und Übungen mit typischen Fragestellungen aus der Praxis ergänzen und vertiefen dabei die Theorie.

Im Detail

Seminarinhalt
  • Grundlagen der geometrischen Form- und Lagetolerierung
    • Normung für die geometrischen Produktspezifikationen (GPS)
    • Tolerierungs­prinzipien und Zeichnungs­konventionen
    • Das Unabhängigkeits­prinzip als Kostenvorteil
    • Grundsätze des GPS-Normensystems nach DIN EN ISO 8015
    • Die eindeutige und vollständige Zeichnung und die Entstehung von Abweichungen
    • GPS-Normen in Konstruktion, Fertigung und Qualitäts­wesen für ein durchgängiges Toleranz­management
  • Form- und Lagetoleranzen funktionsgerecht und gezielt vergeben
    • Funktionen identifizieren und strukturieren
    • Bezugssysteme nach DIN EN ISO 5459 einheitlich definieren
    • Referenzpunkt-System (RPS) und 321-Regel zur eindeutigen Lagedefinition
    • Form- und Lagetoleranzen nach DIN EN ISO 1101 und lineare Größenmaße nach DIN EN ISO 14405
    • Maximum-Material-, Minimum-Material- und Reziprozitäts­bedingung nach dem Taylorschen Prüfgrundsatz
  • Die vollständige und eindeutige Zeichnung
    • Allgemeintoleranzen und zulässige Toleranzen nach DIN ISO 2768 Teil 1 und 2
    • Die neue DIN EN ISO 22081:2019-6-Entwurf „Allgemeine geometrische und Maßspezifikationen” als Ersatz der DIN ISO 2768
    • Toleranzen für Kunststoff­formteile nach DIN 16742, jetzt als neue Norm DIN ISO 20457:2019-03-Entwurf
    • Verzicht auf die technische Zeichnung durch Vermaßen am 3D-Modell mit Schnitt-, Richtungs-, Orientierungs- und Kollektionsebenen­modifikatoren
    • Metall-Formteile (ISO 8062) und nicht-formstabile Teile (ISO 10579)
    • Berechnung von Toleranzketten und Schließmaßen mit MS Excel
    • Übersicht über Toleranzanalyse­software: Möglichkeiten des Computer aided Tolerancing (CAT)
    • Kennzahlen für große Stückzahlen (Cp und Cpk, Cpr) ermitteln und nutzen

Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Konstruktion, Entwicklung, Fertigung, Qualitätsmanagement, Prüfwesen

Prof. Dr.-Ing. Peter Gust

ist Hochschullehrer für Konstruktion im Maschinenbau an der Universität Wuppertal und stellvertretender Leiter des Instituts für Produkt-Innovationen. Er verfügt über mehrjährige Praxis­erfahrung als Bereichsleiter Entwicklung und Projektierung in der Automobil­zulieferindustrie und der Kunststoffverarbeitung.

Kurzreferate, Praxisbeispiele, Anwendungsübungen (mit und ohne MS-Excel), Diskussion, Erfahrungsaustausch, Seminarunterlagen. Bitte bringen Sie möglichst ein Notebook mit MS-Excel zum Seminar mit.

Unser Seminartipp als optimale Ergänzung – direkt am Folgetag:

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