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Studium ohne Abitur

Die Nachfrage nach einem Studium ohne Abitur ist sprunghaft angestiegen: Gut 9.000 der rund 450.000 Studienanfänger in Deutschland hatten im Jahr 2010 keine allgemeine Hochschulreife. Lag der Anteil der Studienstarter ohne Abi im Jahr 2007 noch bei 1 Prozent, stieg er auf 2,1 Prozent im Jahr 2010. Diese Zahlen ermittelte das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in einer aktuellen Studie.

Vor drei Jahren hatte die Kultusministerkonferenz den Hochschulzugang für jene ohne Abi deutlich erleichtert, Personen mit Meistertitel und vergleichbaren Berufsbildungsabschlüssen sind seitdem gleichgestellt. Sie können sich somit an jeder Hochschule für ein Studium bewerben. Auch Personen mit einer abge- schlossenen Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung haben eine Chance auf einen Studienplatz - wobei deren Auswahl beschränkt ist: Denn das Studien- fach muss bei ihnen einen Bezug zu ihrem Beruf haben.

Je nach Bundesland sind die Chancen der Bewerber allerdings sehr unter- schiedlich: Jedes Land habe verschiedene Detail- und Ausnahmeregeln, schreiben die Autoren. "Studierwillige ohne Abitur müssen sich entsprechend intensiv durch den Dschungel der Verordnungen wühlen, um über die Sonder- konditionen in den Bundesländern im Bilde zu sein", sagte CHE-Projektleiterin Sigrun Nickel. Auch fehlten für Studieninteressierte ohne Abitur nach wie vor ausreichend Stipendien.

Spitzenreiter der Bundesländer ist Nordrhein-Westfalen, das mit 4,2 Prozent den höchsten Anteil von Nicht-Abiturienten unter seinen Studienanfängern hat. Ein Grund dafür ist die Fern-Universität Hagen: Im Jahr 2010 nahmen hier 2500 Studenten ohne Abi ihr Studium auf. Damit ist sie mit Abstand die beliebteste Hochschule in dieser Zielgruppe. In Berlin beträgt die Quote der Nicht-Abiturienten 3,7 Prozent, wo mit der Steinbeis-Hochschule auch die zweitbe- liebteste Hochschule steht: 433 Personen schrieben sich dort ein. Auf Platz drei folgt Mecklenburg-Vorpommern mit 2,2 Prozent. Ansonsten liegen die Anfänger- quoten in den ostdeutschen Bundesländern allerdings deutlich darunter. Schlusslichter unter den Bundesländern sind Thüringen, Sachsen und das Saarland mit Anteilen zwischen 0,9 Prozent und 0,4 Prozent.

Im Vergleich zum Ausland ist der Anteil der Studienanfänger ohne Abitur in Deutschland immer noch verschwindend gering. Laut jüngstem EU-Studenten- report haben in Schweden 36 Prozent der Studenten keine klassische Hoch- schulreife und schaffen über ihre berufliche Qualifizierung den Sprung ins Studium.

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